Vorwärts in die Vergängllchkeit

Nun haben wir schon fast einen Viertel dieses Jahres hinter uns gebracht. Und da am Donnerstag mit dem 1. April ein Tag bevorsteht, an dem man viele Unwahrheiten zu hören bekommt, möchte ich die Gelegenheit nutzen, ein wenig auf das letzte Jahr zurückzuschauen und dabei ganz besonders bei der Wahrheit zu bleiben.


Es ist wohl nicht übertrieben, wenn ich sage, dass das vergangene Jahr für mich eines der schwierigsten in meinem bisherigen Leben war. Das Jahr 2020 hat mir auf verschiedenste Weise vor Augen geführt, wie vergänglich doch alles ist. Und dafür hat es sich einiges einfallen lassen.


Im chinesischen Horoskop handelte es sich ausgerechnet das Jahr der Ratte - ein Tier, welches mir wie alle Nagetiere sehr am Herzen liegt. Ganz besonders denke ich da natürlich an meinen geliebten Zwerghamster Esmeralda, von dem ich mich im Januar letzten Jahres unerwartet verabschieden musste. Darauf folgte die erste von insgesamt drei Augenoperationen - allesamt heikle Eingriffe, wenn man bedenkt, dass ich seit über 20 Jahren nur noch mit dem linken Auge sehen kann. Die erste OP war schon länger geplant, es handelte sich um die Entfernung der Linse, welche durch den Grauen Star getrübt war. Dieser Eingriff führte damit sogar zu einer erheblichen Verbesserung meiner Sehfähigkeit.


Einige Monate später hatte sich jedoch unerwartet ein Teil der Netzhaut gelöst, was durch schnelles Handeln mittels eines zweiten Eingriffs wieder in Ordnung gebracht werden konnte. Auch wenn alles reibungslos verlief, sass mir natürlich eine gewisse Angst im Nacken.


Zwischen diesen beiden Operationen hatte ich den Absturz meines Computers zu beklagen, womit sich etliche selbstverfasste Texte, sowie diverse Fotos und Konzertaufnahmen, welche mir sehr am Herzen lagen, buchstäblich in Nichts auflösten. Auch musste ich eine sehr unschöne Erfahrung mit einer Dame machen, welche sich zunächst sehr interessiert an meiner Person zeigte, sich dann aber immer abweisender und respektloser verhielt, so dass ich heute froh sein muss, dass ich nicht so eine enge Verbindung zu ihr aufbauen konnte, wie ich es ursprünglich wollte.


Im Herbst folgte dann der dritte Eingriff am Auge, nämlich die Entfernung des Silikonöls, welches zwecks Stabilisierung der Netzhaut ins Auge gefüllt wurde. Auch hier verlief glücklicherweise alles ohne Komplikationen, nur verfiel ich in den darauffolgenden Wochen in eine schwere Depression, welche wohl das Resultat vieler aufgestauter Ängste und Sorgen war - auch im Zusammenhang mit meinem 30. Geburtstag, der mich dazu veranlassen, mein ganzes bisheriges Leben kritisch zu hinterfragen. Mit dem Verbot von öffentlichen Veranstaltungen fiel für mich eine wichtige Freizeitbeschäftigung weg, die mir an diesen kalten, dunklen Wintertagen sicher viel Freude eingebracht hätte.


Da es also plötzlich nicht mehr möglich war, Konzerte zu geben oder zu besuchen, geriet für mich auch das Musizieren zunehmend in den Hintergrund. Zwar hörte ich nach wie vor viel Musik, doch Gitarre spielen und Texte schreiben - bis dahin meine grösste Leidenschaft - verlor irgendwie immer mehr an Bedeutung. Zwar entdecke ich nun langsam wieder die Freude daran, doch ich tue mich immer noch etwas schwer damit. Ich weiss noch nicht, in welche Richtung ich diesbezüglich gehen will. Auch der Plan, eine zweite CD aufzunehmen, ist erst mal auf Eis gelegt.


Erst im vergangenen Monat gelang es mir langsam, aus dem dunklen Loch zu klettern. All die Erlebnisse des letzten Jahres, die Trauer, die Enttäuschungen, die Wut, die Angst um meine Sehfähigkeit, hatten mir doch ziemlich zugesetzt. Mittlerweile nehme ich wieder Medikamente, um die emotionalen Hoch- und Tiefphasen etwas auszuglätten.


Nun ist wieder ein wenig Ruhe in meinem Leben eingekehrt. Die regelmässigen Augenkontrollen zeigen ein stabiles und positives Bild. Ich bin im Herbst in das gemütliche Langendorf gezogen, ganz in die Nähe von meinem Arbeitsplatz. Durch all die schweren Zeiten haben mich Freunde und Familienmitglieder begleitet. Es gab viele Momente, in denen ich am liebsten alles hingeworfen hätte und allen Lebensmut verlor. Doch ich stand immer wieder auf und setzte meinen Weg fort. Wie ein Indianer, der bekanntlich keinen Schmerz kennt, oder ein Cowboy, der durch die Wüste irrt. Nur ohne Pferd.


Es gäbe noch viel zu erzählen, aber das reicht nun mal fürs Erste. Ich will jetzt nach vorne schauen und hoffe, dass dieses Jahr nicht nur für mich, sondern für uns alle ein wenig ruhiger und friedlicher verlaufen wird.

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