Zurück zum Anfang

Was versetzt uns heute eigentlich noch in Staunen? Es ist gar nicht mehr so leicht, etwas zu finden, was uns die Welt wie durch die Augen eines Kindes sehen lässt - geschweige denn etwas, dem wir zum ersten Mal begegnen. Früher war dies etwas einfacher, denn all das, was uns heute alltäglich und selbstverständlich erscheint, musste erst einmal ausgedacht, erfunden und verbreitet werden.

Der Besuch eines Shoppingcenters oder das Fahren mit einer Rolltreppe ist für uns heute so normal und unspektakulär wie das Zähneputzen oder die morgendliche Dusche. Obwohl es  bis heute noch Individuen gibt, denen diese Tätigkeiten anscheinend völlig fremd sind.


Gerade die Benutzung von Rolltreppen war anfangs eine echte Herausforderung, denn als diese gegen Ende des 19. Jahrhunderts allmählich ihren Weg in diverse Einkaufszentren fanden, hatten viele Kunden höllische Angst vor dieser technischen Innovation. Dies führte teilweise sogar so weit, dass einige Leute ohnmächtig wurden und andere ohne ein Glas Cognac das gefürchtete Monstrum gar nicht erst betraten. Mittlerweile fahren wir damit bequem eine Etage nach oben oder unten, als wäre nichts dabei. Obwohl man heute weiss, dass eine Rolltreppe, wenn man sie ungeschickt betritt, auch Gummistiefel fressen kann.


Heute müssen wir etwas weiter suchen, wenn wir auf aussergewöhnliche Dinge stossen wollen und landen so wieder bei den Ursprüngen: Das Rauschen eines Baches, das Lachen eines Kindes oder die Verspieltheit einer jungen Katze. Zurück zu den Anfängen, oder neudeutsch: back to the roots. 


Manchmal ist es wie in einem Brettspiel: Man muss verschiedene Felder passieren, kommt vielleicht ganz gut voran - und plötzlich landet man wieder auf dem ersten Feld. Besonders wenn es darum geht, einem 

nahestehenden Menschen noch näher zu kommen, kann man in diesem Bereich unter Umständen sehr weit vordringen und dann plötzlich wieder bei Null anfangen. Der Vorteil dabei ist, dass man nun schon einige Erfahrungen im Rucksack trägt und weiss, was man selbst will oder auch was das Gegenüber schätzt und was eher nicht.


Gerade eine Zeit wie diese zeigt uns, was im Leben wirklich wichtig ist und lässt uns zum Ursprung zurückkehren. So viele Oberflächlichkeiten, die wir für essenziell hielten, treten plötzlich in den Hintergrund. Und auf einmal erkennen wir, dass Gesundheit, Liebe und Zusammenhalt mehr Bedeutung für unser Dasein hat als Reichtum, Macht und Statussymbole. Ich hoffe, wir werden dies nicht alles auf einen Schlag vergessen, wenn wir wieder ein Feld nach vorne gerückt sind.


Kommentar schreiben

Kommentare: 0