Das Brot des Künstlers

Diese Zeit, in der man weder Konzerte geben noch besuchen kann, ist für viele Musikschaffende eine echte Herausforderung. Ich selbst bin hierbei nicht von wirtschaftlichem Druck betroffen, da ich meine Musik als Nebenjob betreibe, doch auch ich vermisse es auf der Bühne zu stehen und mich auf diese Weise  von einer anderen Seite zu zeigen, da ich sonst doch eher ein introvertierter Mensch bin.

Die Musik und das Schreiben von Texten ist seit vielen Jahren meine grosse Leidenschaft. Zwar hatte ich früher auch schon darüber nachgedacht, dies zu meinem Beruf zu machen. Doch momentan bin ich ehrlich gesagt froh darüber, nicht von der Kunst leben zu müssen. Es ist ohnehin ein hartes Brot - und jetzt ganz besonders. Ein Sprichwort besagt, dass der Applaus das Brot des Künstlers sei. Demzufolge ist man als Kulturschaffender momentan wohl zum Fasten verdonnert, wenn auch nur symbolisch. Wichtig ist es nun, die Freude an der kreativen Tätigkeit beizubehalten und nicht zu resignieren.

Ich mache mir zurzeit beispielsweise viele Gedanken über mein zweites Album. Das erste habe ich vor einigen Monaten im Selbstverlag herausgegeben und seither ist schon wieder das eine oder andere neue Lied entstanden, ganz zu schweigen von bereits älteren Entwürfen, die nun allmählich zu brauchbaren Songskizzen heranreifen. Bei der Auswahl des Materials, welches auf CD verewigt werden soll, steht unter anderem die Balance zwischen ernsten und heiteren Themen im Vordergrund. Diese Ambivalenz habe ich bereits in meinem ersten Album behandelt, weshalb ich dieses auch „Bösguet“ genannt habe. Weil der Mensch an sich, so wie das Leben selbst, eben weder „gut“ noch „böse“ ist. Na ja, Ausnahmen bestätigen die Regel. Aber zumindest spiegelt sich diese Gegensätzlichkeit auch in meinen Texten wieder, da Freude und Leid nahe beieinander liegen können.

Es gab bereits auf meinem Debütalbum neben den fröhlichen und lustigen Liedern die eine oder andere lethale oder zumindest morbide Geschichte. Da gibt sich in einem Lied ein Schüler die Kugel, weil er die Verwirrung durch die unterschiedlichen Schulsysteme zweier Länder nicht mehr sushält, der Protagonist eines anderen Liedes sammelt wiederum Schneckenhäuser und verirrt sich zunehmend in seiner eigener Welt. Das sind Minidramen, die sich als harmlose Chansons tarnen und dabei manchmal sogar mich selbst als deren Autor erschrecken. Auch auf dem nächsten Album wird es wieder „dunkelgraue“ Lieder wie bei Ludwig Hirsch geben und dazwischen mitreissende Blues-Songs, vertonte Witze und natürlich auch Geschichten über die schönen und schrecklichen Seiten der Liebe.

Dann gibt es noch zahlreiche Texte, die ich im Laufe der Zeit neben meinen Songs geschrieben habe und die ich endlich einmal ordnen sollte, um sie mal in Buchform publizieren zu können. Und neben der Kunst natürlich auch viele weitere Dinge im Leben, die nicht zu kurz kommen sollten. Es gibt also weiterhin viel zu tun und ich bin gespannt darauf, was uns alle in diesen spannenden Zeiten erwarten wird, sowohl auf der Bühne als auch abseits davon. Aber nun wünsche ich euch erst mal ein schönes und erholsames Wochenende!

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