Wollen und Müssen

Es gibt viele Menschen, welche täglich unzählige Dinge verrichten - im steten Glauben, sie müssten dies tun und hätten keine andere Wahl. Oftmals handelt es sich dabei jedoch um Angelegenheiten, denen sie absolut freiwillig nachgehen. Aber weil sie vielleicht Angst haben, jemanden zu enttäuschen oder gar zu verlieren, bleiben sie bei ihrer selbst aufgeladenen Bürde.

Auch mir ist dies schon häufig passiert. Wie schnell hat man sich doch eine symbolische Zwangsjacke übergestreift, die man nicht so ohne Weiteres wieder los wird. Beispielsweise wenn es darum geht, Zeit mit jemandem zu verbringen, der einem nahesteht. Die Angst, dass man diesen Menschen verärgern könnte, wenn man sich ihm nicht genug zuwendet, zwingt uns dazu, unser Leben dieser Person unterzuordnen. Dabei tun wir dies doch vollends aus freien Stücken. denn die einzigen, die uns wirklich dazu zwingen, sind wir selbst. Es ist sowieso ein weit verbreiteter Irrtum, dass wir fast alles, was wir so treiben, für andere tun. Für den Staat, für den Partner, den Job, einen Freund, die Familie etc. Die Wahrheit ist oft eine andere. Wir schaffen uns meist selbst Zwänge, denen wir uns unterwerfen. Dabei wären wir mit der Erreichung des 18. Altersjahres eigentlich in der Lage, frei über unser Leben zu verfügen, unsere Entscheidungen eigenmächtig zu treffen und unsere Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.

 

Trotzdem lassen wir uns vieles diktieren, was gar nicht nötig wäre. Das Chaos ist schliesslich perfekt, wenn wir Verhaltensmuster oder Aussagen missverstehen und als Aufforderungen interpretieren. Was macht man nun aber, wenn man gezwungenermassen den Kontakt zu einer wichtigen Person pausiert hatWenn ein nahestehender Mensch Abstand von einem braucht, weil man zu besitzergreifend geworden ist? Was mich betrifft, versuche ich diese Zeit möglichst sinnvoll zu nutzen. Ich habe bisher die Wohnung aufgeräumt, Kleider sortiert, vieles über Hamsterhaltung gelernt, seit Jahren wieder einmal Mundharmonika gespielt, Videos geschaut, gesungen, zwei Heulkrämpfe überstanden, auf einer nicht angeschlossenen elektrischen Gitarre gezupft und sehr viel nachgedacht. Wie in einer Gefängniszelle.

 

Dass ich mich mit der artgerechten Haltung eines Hamsters auseinandersetze, kommt übrigens nicht von ungefähr: Bald wird ein kleiner Nager bei mir einziehen. Ein Lichtblick in dieser schwierigen Zeit... 

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