Von Schachteln und Spachteln

Das verlängerte Wochenende kam mir wirklich ziemlich lange vor. Jedenfalls war ich äusserst froh, endlich wieder arbeiten zu können - schliesslich musste ich während der letzten Tage einige Krisen bewältigen, und da kam mir ein wenig Ablenkung gerade recht. Wenn man sich während der freien Zeit vermehrt einsam fühlt, ist es ein wahrer Segen, wieder in einen strukturierten Alltag zurückzukehren. Wie in der vergangenen Woche bestand meine Aufgabe darin, Raclette-Spachtel zu verpacken. Davon gehören jeweils sechs Stück in eine vorgefaltete Schachtel. Das ist wahrlich keine Hexerei, und so schaffte ich gut 120 Schachteln im Laufe des Vormittags. Die erwünschte Ablenkung trat tatsächlich ein, wenngleich der Tag eher mit einer emotionalen Achterbahnfahrt zu vergleichen war. Auch die obligatorische Kaffeepause um 9.00 Uhr morgens war Balsam für die Seele und es war sehr erbaulich, die altbekannten Gesichter wieder zu sehen. Leider fehlte eine mir wichtige Person, was der ganzen Sache dann doch einen erheblichen Dämpfer versetzte.

 

Am Nachmittag war ich zunächst damit beschäftigt, an der Trackliste für meine bevorstehende CD-Aufnahme zu feilen. Hatte ich mir doch ursprünglich vorgenommen, dass einen Monat vor Aufnahmebeginn das detaillierte Programm feststehen soll, muss ich nun - zwei Wochen vor dem bedeutenden Ereignis - wohl doch ein paar Dinge dem Zufall überlassen.. Aber das gehört eben zu meiner Lebens- und Arbeitsweise. Wie heisst es so schön? Ordnung ist das halbe Leben, ein Ganzes ist mir lieber!

 

Daneben musste ich mich wieder einmal mit dem von mir so verhassten Papierkram herumschlagen. Kaum zu glauben, dass ich vor gut acht Jahren eine kaufmännische Lehre absolviert habe. Dies erscheint mir heute etwa so weit weg wie der Papst von einer kirchlichen Trauung. Aber nun steht eben wieder mal eine Revision der IV-Rente an und da will man es natürlich genau wissen. Hat sich der Gesundheitszustand geändert? Wenn ja, warum? Bei mir kamen in den letzten Jahren vermehrt psychische Störungen hinzu, welche zwar bisher nicht offiziell diagnostiziert wurden, aber regelmässig in Therapiesitzungen behandelt werden. Also tatsächlich eine Veränderung, wenn auch nicht gerade eine erfreuliche. Bleibt nur zu hoffen, dass die Angaben auch gewissenhaft weiterverarbeitet werden und mein Dossier nicht irgendwo in einem Aktenschrank oder in einer Schachtel liegenbleibt und verstaubt.

 

Wie dem auch sei, am Abend konnte ich mir wenigstens noch ein entspannendes Bad gönnen und hörte dazu traditionellerweise das Album „Atemzüge“ von Georg Danzer. 13 herrlich beruhigende Lieder, obwohl es textlich zum Teil recht zur Sache geht. Mal schauen, was der morgige Tag so mit sich bringt. Ich werde einige Telefonate erledigen müssen, die ich lange vor mir hergeschoben habe, dazwischen viel Wasser trinken und meine Identitätskarte ist auch wieder einmal verschwunden. Vielleicht steckt sie ja in einer Schachtel...

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